Hat Bildung in Deutschland den Stellenwert, der ihr zusteht? Fordern wir in der Schule genügend Leistung von unseren Kindern? Vor dem Hintergrund der aktuellen PISA-Ergebnisse, bei denen Deutschland von einem niedrigen Niveau noch weiter abgerutscht ist, haben diese Fragen in der Politik und in der Bildungsforschung große Aktualität und waren auch Thema des 6. PWG-Forums.
Rund 30 Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte hoben ganz unterschiedliche Facetten des Themas hervor. So wurde von Seiten der Schülerinnen und Schüler betont, dass weitere Leistungsforderungen praktisch gar nicht umsetzbar seien. Bereits jetzt seien Schüler/-innen voll ausgelastet, wenn man Schule ernst nehme und daneben auch noch Sport treiben oder Musik machen wolle. Auch Eltern sahen die Forderung mit Verweis auf zusätzliche Belastungen für das Familienleben und das Eltern-Kind-Verhältnis kritisch. Bereits jetzt werde von Eltern erwartet, dass sie ihre Kinder aktiv bei den Schularbeiten unterstützen. Da dies aber aus verschiedensten Gründen nicht alle Eltern leisten könnten, zementiere diese Erwartungshaltung die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom Elternhaus.
Wenn ein hoher Anteil an Jugendlichen nicht in der Lage sei, einfache Texte zu verstehen oder zu verfassen, müsse man die PISA-Ergebnisse aber dennoch ernstnehmen. Dabei wurde auch auf die veränderte Gesellschaft verwiesen. Die Welt, in der Kinder und Jugendliche leben, habe sich enorm verändert und damit auch die Anforderungen, mit denen sie umgehen müssen. Nur in der Schule sei vieles gleich geblieben. Wenn man Schülerinnen und Schüler richtig fordern und fördern wolle, müsse sich im System Schule vieles ändern, von mehr und größeren Räumen über mehr Lehrkräfte bis hin zu modernisierten Lehrinhalten.
Auch wurde die Frage aufgeworfen, was Bildung überhaupt sei. Als fragwürdig wurden Schulsysteme wie in asiatischen Staaten eingeschätzt, die zwar in Bildungsrankings immer in den oberen Rängen abschnitten, aber durch ein Unterrichten nach dem Motto „teaching to the test“ nicht immer wirklich sinnvolle Inhalte vermittelten. Wichtige Lerninhalte, die auch gesellschaftliche Relevanz hätten, sahen die Diskutierenden in außerunterrichtlichen Unternehmungen wie Schulfahrten, Exkursionen und Projekten. Als Beispiel wurde besonders auf das Schulmusical verwiesen, das bei den Teilnehmenden viel Motivation, Freude und Identifikation ausgelöst habe. Hier könne sich Schule von der besten Seite zeigen und gesellschaftlich sowie individuell relevante Kompetenzen vermitteln.
Weitgehend einig war man sich am Ende mit der Einschätzung, dass man die Bildungsmisere nicht einer zu geringen Leistungsbereitschaft von Schülerinnen und Schülern anhängen sollte. Es gebe viele andere Stellschrauben, an denen das Bildungssystem justieren könne.
Bei der abschließenden Vorschlagsrunde setzte sich der Wunsch durch, in den schulischen Gremien die zunehmende Hitze-Belastung in der Schule in den Sommermonaten zu thematisieren und beim Schulträger konkrete Maßnahmen für einen besseren Gesundheitsschutz in der Hitzeperiode zu beantragen.
Einmal mehr hat sich das PWG-Forum als ein echtes Forum zum Gedankenaustausch erwiesen. Alle Mitglieder der Schulgemeinschaft haben hier Gelegenheit, ihre Anliegen zu präsentieren, ihre Sichtweisen beizutragen und Gehör zu finden. Und nicht zuletzt auch, die eigene Meinung zu hinterfragen und auch andere Meinungen anzuerkennen.
Katja Schmitt
