Im Rahmen eines eindrucksvollen Workshops am 28.04.2026 erlebten Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 6, 7 und 8, wie der freundschaftliche Dialog zwischen Juden, Muslimen und Christen gelingen kann. Unter dem Motto „Growing4Respect – weil Respekt keine Meinung und Friede kein Zufall ist“ waren Akin Aslan und Benjamin Chait zu Gast.
Akin Aslan, der bei der Veranstaltung die muslimische Gemeinde vertritt, ist Lehrer für die Fächer Geschichte und Deutsch und hat einen Lehrauftrag an der Universität des Saarlandes. Benjamin Chait ist Kantor der jüdischen Gemeinde im Saarland. Die beiden überzeugten nicht nur durch ihre Expertise und ihre zugewandte Art, sondern legten ein eindrucksvolles Zeugnis ihrer Freundschaft ab. Eine Freundschaft, die keine Religionsgrenzen kennt und die in Zeiten des Krieges im Nahen Osten ein besonderes Zeichen ist.
Der Einstieg in die Veranstaltung erfolgte auf ungewöhnliche Weise. In einem kurzen Sketch spielten Aslan und Chait eine fiktive Begegnung nach. Als die beiden dann von der Religion des jeweils anderen erfahren, wenden sich unauffällig voneinander ab, so als wollten beide nichts miteinander zu tun haben. Doch die beiden bleiben im Gespräch und entdecken schließlich zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen ihren Religionen.
Nach dem Sketch zeigten beide religiöse Gegenstände ihrer Religionen und sprachen über religiöse Rituale. Auch dabei fanden sie viele Gemeinsamkeiten. Dann wurde die Stimmung ernster: „Akin“, fragte Benjamin, „sag´ mal ganz ehrlich: Was denkst du über uns Juden?“ Aslans Antwort fällt klar aus: „Ich denke nur Gutes.“ Warum es dann so viele Konflikte zwischen Juden, Muslimen und Christen gebe, fragt ein anderer. „Wir kennen uns zu wenig“, lautet Aslans Erklärung. Er kritisierte, dass nur wenige Menschen den Schritt wagten, z. B. eine Moscheegemeinde zu besuchen oder aktiv den Kontakt zu suchen. „Begegnung ist die Voraussetzung für Frieden und Freundschaft“, betonte er und ermutigte die Schülerinnen und Schüler, mit Menschen anderer Religionen oder Kulturen im Gespräch zu bleiben und Fragen zu stellen.
Die Schülerinnen und Schüler hatten viele Fragen und scheuten sich nicht, diese zu stellen. Dabei kamen auch persönliche Erfahrungen zur Sprache. Auf die Frage einer Schülerin, ob Benjamin seine Kippa, also die jüdische Kopfbedeckung für Männer, in der Stadt trage, antwortete Chait offen mit „Nein“. Es gebe Menschen, die es nicht gut mit Juden meinen. Die spürbare Betroffenheit im Saal zeigte, wie nah das Thema den Jugendlichen ging. Daran schloss sich die Frage eines Schülers an, ob die beiden denken, dass der Rassismus in der Gesellschaft eher angestiegen oder gesunken sei. Aslan und Chait gaben an, dass sie vor allem in den Sozialen Medien, aber auch auf der Straße einen spürbaren Anstieg erleben. Eine weitere Schülerin wollte wissen, ob sich die beiden im Alltag sicher fühlten. Die Antwort machte deutlich, worum es ihnen geht: „Wenn wir uns hier nicht mehr wohl und sicher fühlen, dann fühlt sich hier keiner mehr sicher. Das wollen wir verhindern und deshalb sind wir heute da.“
Der Workshop bot den Schülerinnen und Schülern nicht nur Einblicke in religiöse Gemeinsamkeiten, sondern vor allem eine wichtige Botschaft: Gegenseitiger Respekt und Verständnis beginnt mit Begegnung und mit der Bereitschaft, einander zuzuhören.
(Bericht: Lisa Olschewski)


Als erstes der Mensch: Interreligiöser Dialog, der Schule macht – Akin Aslan und Benjamin Chait