Erinnerung und Mahnung

Merziger Schüler gestalten Gedenkstunde an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges mit

Geschichte ist lebendig – gerade in Grenznähe. Davon konnten sich vor wenigen Tagen 25 Schülerinnen und Schüler des PWG überzeugen. Auf Einladung des saarländischen Bildungsministeriums nahmen sie in Begleitung der Lehrer Erik Weidemann und Torsten Mergen an der zentralen Gedenkveranstaltung zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges teil. Der Ort des Gedenkens war symbolträchtig gewählt: die Stadt Verdun. Mit diesem Ort verbunden ist eine der grausamsten Schlachten des Ersten Weltkriegs. 700.000 Franzosen und Deutsche kamen dabei bis Ende 1916 ums Leben. Anlass genug, an diese Schrecken zu erinnern und die Schüler für die Bedeutung von Frieden und Versöhnung zu sensibilisieren.

Die außergewöhnliche Exkursion begann für die PWG-Schüler, zu denen sich noch 20 Schüler der Nachbarschule GAS gesellten, morgens mit einem Besuch im sog. „Beinhaus von Douaumont“ in der Nähe von Verdun. Diese Grabstätte für die Gefallenen der Schlacht um Verdun bewahrt die Gebeine von über 130.000 nicht identifizierten französischen und deutschen Soldaten auf. In stillem Gedenken besuchte die Schülergruppe im Anschluss auch den Friedhof mit 15.000 Gräbern französischer Soldaten. Dort trafen sich im Juni 1984 der französische Präsident François Mitterrand und der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl zu einer großen Versöhnungsfeier. Das Foto der beiden Politiker, die sich vor dem Eingang des „Beinhauses“ an den Händen hielten, ging um die Welt.
Der Höhepunkt der Exkursion fand am Nachmittag statt: Zusammen mit rund 1000 Schülerinnen und Schülern aus Lothringen und dem Saarland nahmen die Merziger Schüler an der zentralen Gedenkveranstaltung im „Internationalen Zentrum für Frieden, Freiheit und Menschenrechte“ teil. In einer bewegenden Veranstaltung konnten sie das Motto der Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich live erleben: „Wir haben uns versöhnt. Wir haben uns verständigt. Wir sind Freunde geworden.“ Als um 15.00 Uhr die Glocken der Kathedrale von Verdun die Melodie der Europahymne anstimmte, hielten sich alle Teilnehmer im stillen Gedenken an den Händen. Eine bewegende Hommage an die Geste des Friedens und der Freundschaft zwischen Mitterand und Kohl im Jahr 1984.
Zuvor hatten die Schüler weiße Rosen vor der Treppe des Weltfriedenszentrums auf eine Bronzeplatte gelegt. So erinnerten sie an die Opfer des Weltkrieges. Auf der Bronzeplatte waren Auszüge aus Briefen französischer und deutscher Soldaten zu lesen.
Die angehenden PWG-Abiturienten Charlotte Wieber und Simon Moritz hatten eine besondere Aufgabe bei dieser Gedenkfeier. Sie führten mit französischen Schülerinnen und Schülern durch das Programm der Gedenkstunde. Dazu gehörte das Vorstellen der zahlreichen Redner und das Vorlesen wichtiger Texte und Dokumente des Gedenkens. Zweisprachig - auf Deutsch und Französisch – stellten Charlotte und Simon die Redner vor: den Präfekten der Region Lothringen Nacer Meddah, den saarländischen Bildungsminister Ulrich Commerçon und den Leiter der lothringischen Schulbehörde Gilles Pécout.
PWG-Schüler Simon Moritz zeigte sich sehr bewegt von der Veranstaltung: „Sehr gut gefallen hat mir die intensive Vorbereitung. Wir waren keine Marionetten der Organisatoren, sondern konnten aktiv bei der Gestaltung mitwirken. Viele Texte, die vorgetragen wurden, waren von uns selbst geschrieben oder ausgewählt.“ Für Charlotte Wieber blieb ein wichtiger Eindruck des Tages: „Wichtig war mir die Wiederholung der Kohl-Mitterand-Geste. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemals wieder Krieg zwischen Deutschland und Frankreich sein könnte. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie wertvoll und tief die Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern inzwischen geworden ist. Das ist gut so!“

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